Abgerundetes Rechteck: Storchen-Projekt
 

 

 


 


Im Jahr 2014 hat sich bei uns im Ortsteil Horrheim zum ersten Mal ein Storchenpaar niedergelassen und erfolgreich zwei Jungvögel ausgebrütet und aufgezogen!


Und so hat alles angefangen:

Bereits 1995 haben Aktive der NABU-Gruppe Vaihingen/Enz versucht unseren Weißstorch wieder anzusiedeln. Mit einem Autokran wurden damals in einer spektakulären Aktion zwei Holzmasten am Horrheimer Herdweg in einem Betonfundament montiert. Bestückt wurden sie mit je einer stabilen Nestkorb- Konstruktion aus massivem Eichenholz verstärkt mit verzinkten Stahlplatten.

Mit viel Freude und Stolz haben Mitglieder der damaligen NABU Kindergruppe zwei kunstvolle Körbe aus Obstbaumreisig, das dauerhafter als Weidenholz sein soll, geflochten.

Nestkorb1
Der Nestkorb aus Eichenholz...


Korb mit Zweigen
...bekam ein Geflecht aus Baumzweigen.


Kindergruppe
Unsere Kindergruppe


Körbe-Transport
Die Nestkörbe werden zum Aufstellungsort transportiert.


Zuschauer
Eine größere Anzahl von Zuschauern hat sich eingefunden.
Noch liegt der Mast am Boden...


Am Kranhaken
...doch schon geht es am Kranhaken in die Höhe.


Aufwärts


Mast steht
Der erste Mast steht.


Unsere Mannschaft
Unsere Storchenaktion-Mannschaft


Kurzer Besuch
Ein kurzer Besuch am Nest. Gebrütet wurde aber leider nicht.



Später erschienen diese Artikel in der Vaihinger Kreiszeitung: VKZ1


VKZ2


14 Jahre später...





30. März 2014


Seit heute ist ein Storchenpaar mit Nistmaterial im Schnabel auf unserem NABU Nest in Horrheim zu sehen.

Störche







8. April 2014


Vaihinger Kreiszeitung:

Willkommen Storch!

Willkommen


Horrheim (sr). Manch einer hat schon jahrzehntelang darauf gewartet und jetzt scheint es so weit: Ein Weißstorchenpärchen baut sich in Horrheim ein Nest. Das wäre durchaus eine Sensation, denn Storchenbruten liegen entweder weit in der Vergangenheit oder weit weg. Eine Voraussetzung für einen möglichen Bruterfolg ist, dass die Tiere nicht vorsätzlich gestört werden.

Wenn das Storchenpaar in Horrheim brüten würde, wäre das „eine Sensation“, freut sich Joachim Sommer vom Naturschutzbund (NABU) Vaihingen. Denn hier und in der Umgebung brüten keine weiteren Weißstörche – mit Ausnahme von Tripsdrill in Cleebronn. Aber dort handle es sich um ausgewilderte Störche. Und eines der Pärchen ist laut SWR schwul und somit ohne Aussicht auf Nachwuchs.

Die letzten Störche haben laut Sommer in den 30er/40er Jahren hier in der Gegend gebrütet. Die nächsten aktuellen Brutvorkommen liegen doch ziemlich entfernt im Jagsttal, Oberrhein und in Oberschwaben, weiß der Roßwager Vogelliebhaber. „Vom Nahrungsangebot her passt es in Horrheim“, macht Sommer jenen Hoffnung, die sich über das Pärchen freuen. Die feuchte Wiese am Naturschutzgebiet Unterer See sei wichtig, dort finden die Weißstörche Mäuse, Frösche, Heuschrecken und anderes Getier, um ihren Hunger zu stillen.

Ganz im Glück ist der Horrheimer Lothar Grau. „Am Montag habe ich die beiden zum ersten Mal gesehen, sie sind bis jetzt immer wieder gemeinsam auf dem Nest oder auf den umliegenden Wiesen“, schreibt der Vorsitzende des NABU Vaihingen. Er hat die VKZ auf die großen „Turteltauben“ aufmerksam gemacht und das Storchenpaar mit einem schnuckeligen Rohbau zum Bleiben animiert. Denn die bewohnte Nisthilfe hat Grau, ebenso wie ein weiteres, bislang verschmähtes Exemplar, selbst gebaut.

Bei der Nisthilfe „handelt es sich um ein Achteck mit 140 Zentimetern Durchmesser aus massivem Eichenholz“, erklärt Grau. Die Nisthilfen sind mit Obstbaumreisig umflochten und stehen auf einem 14 Meter hohen Holzmast. 1995 seien sie mit Genehmigung der Schuppengemeinschaft aufgestellt worden. „Vor drei Jahren war derselbe Storch, mit grünem Ring aus Donaueschingen, zum ersten Mal auf dem Nest“, beschreibt Grau seine Beobachtungen. Dann sei er jedes Jahr von Ende März bis Ende August wieder nach Horrheim gekommen. „Jetzt hat er anscheinend eine Partnerin mitgebracht – zwei Männchen würden sich nicht vertragen“, schreibt Grau. Dagegen spricht allerdings das angeblich schwule Pärchen von Tripsdrill.

Die beiden Horrheimer scheinen es jedenfalls ernst zu meinen, sie sammeln eindeutig Nistmaterial. Beim Zeitungstermin gestern zeigten sie sich sehr entspannt. Die Journalistin parkte extra ihr Auto in einiger Entfernung und schlenderte unauffällig in Richtung Nest. Die Vögel strahlten große Ruhe aus. Mal schwebten sie kurz zur Wiese, um mit Nistmaterial wieder in ihr Achteck zu fliegen. Dann passierte lange Zeit nichts, außer, dass vermutlich das Männchen sich intensiv der Gefiederpflege widmete. Auch ein kurzes Techtelmechtel, das als Paarungsversuch gelten könnte, konnte beobachtet werden. Aber insgesamt schienen die Störche herrlich entspannt. Damit das so bleibt, sollten Menschen das junge Glück respektieren und nicht stören.

„Die machet a bissle en müda Eindruck“, sagt Ingrid Schneider, als sie an ihrer gefiederten Nachbarschaft Richtung Heimat radelt. Die gebürtige Horrheimerin lebt im Aussiedlerhof bei den Störchen und findet das schwarz-weiße Pärchen „toll“. Über die Meinung der Horrheimer zu ihren klappernden Gästen sagt Schneider: „Da hat glaub’ jeder eine Freude dran.“ Geklappert werde meistens morgens, das sei sehr laut aber „stört net, wir freuen uns“. Die Störche würden ja keinen Schaden anrichten. Ganze Schnäbel voll mit Nistmaterial schaffen die Vögel nach oben ins Achteck, weiß Ingrid Schneider zu berichten. Die 1950 geborene Horrheimerin erinnert sich noch an ein Nest, das in den 60er Jahren auf dem ehemaligen Gasthaus Ochsen neben der Kirche saß. Dort hätten sich auch mal Störche gezeigt, hätten aber nicht gebrütet. Jetzt ist die Freude erst mal groß.

Lothar Grau schreibt: „Drücken sie mir die Daumen, dass sie brüten. Wäre eine Sensation und ein großes Glück.“ Wird gemacht. Und wer gucken will, bitte das junge Glück nicht stören. Mehr zur Biologie und zum Vorkommen der Weißstörche in Baden-Württemberg am Samstag in unserer Serie Phänomene der Natur.







12. April 2014


Vaihinger Kreiszeitung, "Phänomene der Natur":

Der Klapperstorch

Liebe Leser, ein Weißstorchenpärchen hat sich auf einer Horrheimer Nisthilfe häuslich niedergelassen. Sensationell. Es könnte der einzige Nestbau wilder Weißstörche weit und breit und seit langer Zeit werden. Aber die Sache läuft nicht so richtig rund ...

Jedes Kind kennt den Klapperstorch – und der kennt jedes Kind. Schließlich hat er uns alle als kleine Babys im Tuch zu unseren Eltern gebracht. Haha, heute wissen wir natürlich, dass nach der Arbeit der Bienchen an den Blümchen ein neues Leben heranwächst und dann ... na, Sie wissen schon.

Jedenfalls wurde früher der Weißstorch als Baby-Überbringer auserwählt, weil die Erwachsenen sich gerne darum drückten, Kindern die wahren Hintergründe von Zeugung und Geburt zu erzählen. Der Storch schien mit einer Spannweite von rund zwei Metern groß und stark genug für einen Babytransport.

Außerdem watet der Weißstorch gerne an Tümpeln herum und konnte aus deren Wasser die Seelen der Kleinen herausfischen, die dem Volksglauben nach dort herumschwammen. Der Legende nach werden die Säuglinge, in ein Tuch gewickelt, der Mutter gebracht. Ein roter Fleck am Hinterkopf eines Neugeborenen, der „Storchenbiss“, galt als diejenige Stelle, an der der Storch das Baby mit seinem Schnabel festgehalten hat. Auch der Name Adebar, wie der Weißstorch noch heißt, zeugt von seinem positiven Image. Adebar setzt sich aus den germanischen Wörtern „Auda“ und „bera“ zusammen, was so viel wie Glücksbringer bedeutet.

Dem Storchenpärchen, das in Horrheim mit dem Nestbau begonnen hatte, flogen ebenfalls viele Herzen zu (wir haben berichtet). Als Storchen-Nachbarin weiß Ingrid Schneider die neuesten Neuigkeiten von Ehepaar Storch zu berichten – danke nochmal für die Auskunft. Leider klingt die Momentaufnahme von gestern Morgen nur verhalten positiv. Die Horrheimer Adebare würden derzeit ein komisches Verhalten an den Tag legen. Oft seien sie den ganzen Mittag weg, auch das Geklapper sei weniger geworden. „Ich glaub’ nicht, dass sie bleiben“, meint Ingrid Schneider.

Ohje, da müssen wir flugs Joachim Sommer in Roßwag belästigen. Wie schätzt der Vogelkenner vom Naturschutzbund (NABU) Vaihingen die Lage am Storchenhorst ein? „Das Frühjahr ist ja noch lang, ich habe noch Hoffnung“, sagt Sommer. Vielleicht sei einer der Partner noch zu jung. Möglicherweise sind die zwei Horrheimer Störche ebenfalls schwul, wie ein Paar in Tripsdrill. Aber man kann ja noch Hoffnung hegen für Storchennachwuchs in Horrheim. Womöglich könnte man im Zusammenhang mit dem Klapperstorch sogar die Formulierung „guter Hoffnung sein in Horrheim“ wählen. Aber dann müssten ja erst die Bienen ran, oder wie jetzt? Storchenfans können so oder so optimistisch in die Zukunft blicken, auch wenn es in diesem Jahr in Horrheim nicht mit Nachwuchs klappt. Denn Ciconia ciconia, wie er wissenschaftlich heißt, hält zumindest seinem Nistplatz die Treue. Das mit der Monogamie, also der lebenslangen Treue zu einem Partner, ist bei Adebar so eine Sache. Das Storchenmännchen kommt im Frühjahr vor den Weibchen am angestammten Nistplatz an und kann bei Gelegenheit auch mit einem neuen Weibchen eine Saisonehe eingehen.

Horrheim kann auch hoffen, weil der Storch mit bis zu 20 bis 30 Jahren (die Angaben variieren auch hier) eine hohe Lebenserwartung hat – falls ihn nicht beispielsweise ein Unfall dahinrafft. Gefahren drohen dem Zugvogel, der südlich der Sahara in Afrika überwintert, beispielsweise durch Stromtod und Kollision mit Leitungen. Ebenso raffen ihn Zwischenfälle im Straßenverkehr dahin und auch Müll, der im Nest verbaut wird, bedeutet für viele Jungstörche den sicheren Tod. Bei Windenergieanlagen waren laut Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) in Spanien 41 tote Störche zu beklagen (Stand 2012), in Deutschland 22, die meisten davon in Brandenburg.

Im Jahr 1991 brüteten laut MLR 85 Weißstorchenpaare im Ländle, 2011 lag die Zahl bei 518. Die Anzahl habe sich in diesen 20 Jahren folglich versechsfacht. Der Storch leidet vor allem unter Trockenlegung von Feuchtgebieten, profitiert aber auch von Schutzmaßnahmen, die ihm unter die Flügel greifen.

Weißstörche halten den Rekord im Nestbau in der Vogelwelt. Da sie ihren Horst jährlich weiter ausbauen, kann die Konstruktion im Laufe der Jahre angeblich bis zu unglaublichen zwei Tonnen schwer werden. Ursprünglich war der Weißstorch ein Baum- und Felsenbrüter, der als Kulturfolger nun gerne auch Hausdächer, Schornsteine und Masten besiedelt. In Horrheim hat er ja bekanntlich eine Nisthilfe des NABU angenommen.

Der Storchenmann beginnt nach seiner Ankunft aus Afrika zwischen März und April schon mal mit dem Ausbau des Nests. Ist das Weibchen ebenfalls heimgekehrt, wird es mangels fulminanter Stimme mit Schnabelgeklapper begrüßt. Die Geschlechter sind äußerlich kaum zu unterscheiden, das Weibchen kann etwas zierlicher als das Männchen sein. Bei der Kopulation wird ebenfalls gerne geklappert.

Die Weibchen legen in der Regel ab April bis Ende Mai ihre Eier. Die Gelege bestehen aus meist drei bis vier Eiern, die im Abstand von zwei bis drei Tagen gelegt werden. Sie werden rund einen Monat lang bebrütet, wobei sich Männchen und Weibchen abwechseln. Nach dem Schlüpfen lassen die Altvögel die Jungen drei Wochen lang nicht aus den Augen, dann darf das Jungvolk selbstständig werden. Auch die Jungen begrüßen die anfliegenden Elternvögel mit leisem Klappern.

In Sachen Futter ist Adebar ein Opportunist und frisst von Amphibien über Mäuse, Insekten und Würmer so ziemlich alles an tierischer Kost, was in den Schnabel passt. Bei seinen Beutezügen durchschreitet er in typischer Weise Wiesen und Sümpfe und stößt blitzartig seinen Schnabel auf das Opfer. Im August beginnt der Rückflug ins Winterquartier. „In den Wintermonaten bietet das warme Afrika den Störchen genug Nahrung, während sie in Deutschland in dieser Zeit nicht ausreichend Nahrung finden würden“, schreibt die Umweltakademie Baden-Württemberg. Dass die Störche nicht das ganze Jahr über in Afrika bleiben, sondern jedes Jahr im Frühling wieder zu uns nach Deutschland ziehen, liege daran, dass hier im Sommer die Tage länger als in Afrika sind. So stehe mehr Zeit zur Verfügung, Futter für den Nachwuchs zu besorgen.

Den bis zu 10 000 Kilometer weiten Reiseweg bringen die Störche als Segelflieger hinter sich. Als solche sind sie von Aufwinden abhängig und meiden große Wasserflächen. Quer durch Deutschland, von Hollands Norden kommend in Richtung Harz durch Thüringen und Bayern in Richtung Alpen verläuft die sogenannte Zugscheide. Störche, die westlich davon brüten, ziehen über Spanien nach Afrika, Störche östlich der Zugscheide wählen den Weg über den Bosporus. Pro Tag können sie Hunderte von Kilometern überwinden. „Sind die Winter mild, bleiben einige Tiere immer wieder in ihrem Brutgebiet. Meist handelt es sich hier um Jungstörche oder um Tiere, die nach dem Auswildern in der Nähe ihrer Aufwuchsstation bleiben“, meldet das Bundesamt für Naturschutz.

Wer sich nach Storchennachwuchs sehnt, kann an diversen Webcams spicken. Im Mannheimer Luisenpark wird ein Storchenpaar bespitzelt und auch auf dem Crailsheimer Rathaus schaut eine Kamera ins Nest von Adele und Adi. Die Facebook-Seite der Crailsheimer Störche vermeldete am Donnerstag „Das 4. Ei!“.

Ganz anders war die Lage 2012 in Straßburg, dort sorgte Ende März eine Storchenplage für Schlagzeilen in der Badischen Zeitung. Es handelte sich nicht um einen verfrühten Aprilscherz, wurde der VKZ auf Nachfrage bestätigt. Anwohner fühlten sich durch Kot und Geklapper gestört. Wie sagte schon Paracelsus: es ist alles eine Frage der Dosis. Bei uns ist noch viel Luft nach oben. „Mir dädet uns im Moment noch über jedes Paar freua“, sagt Vogelliebhaber Joachim Sommer in feinstem Schwäbisch.

Sabine Rücker







13. Mai 2014

Das 1. Junge ist da!

Das 1. Junge






14. Juni 2014

Inzwischen sitzen zwei Jungstörche im Nest.

Willi Riedel hat uns ein paar tolle Bilder zur Verfügung gestellt.

Begrüßung
Freudige Begrüßung


Warten auf die Eltern
Warten auf die Eltern


Eine riesige Futterportion
Eine riesige Futterportion


Gibs doch endlich her!
"Gibs doch endlich her!"

Geschafft
Geschafft!






15. Juni 2014


Heute findet das erste große Ereignis im Leben der Jungstörche statt:


Die Beringung


Vaihinger Kreiszeitung:

Ring am Bein im Dienst der Wissenschaft

Ein schneller Griff
Ein schneller Griff – das Storchenjunge kann nicht mehr entkommen und sich dabei verletzen. Ute Reinhard hat am Mittwoch die zwei Jungvögel im Horrheimer Storchenhorst beringt. Foto: Küppers


Horrheim (rkü). Noch ist es beschaulich am Rand von Horrheim. Mama Storch (oder Papa) steht auf dem Rand des Horsts bei ihrem Nachwuchs und klappert. Derweil sucht Papa Storch (oder Mama) irgendwo auf den Wiesen und Feldern nach Essbarem. Im Dienst der Wissenschaft erleidet das Familienleben der Störche eine kleine Unterbrechung.

Bei Familie Storch war – sprichwörtlich gesehen – der Storch zu Gast. Seit ungefähr einem Monat beleben zwei putzmuntere Jungvögel den Horst, wie das riesige Nest genannt wird. Der Nachwuchs wurde am Mittwochmittag beringt. Mit anderen Worten: Eine Expertin bringt an den Beinen der Jungen Ringe der Vogelwarte Radolfzell an. Diese Ringe sind lebenslang das Erkennungszeichen, das wissenschaftliche Untersuchungen über Herkunft, das Zugverhalten und das Alter der Vögel ermöglicht.

Als der Hubsteiger der Stadt Vaihingen in Stellung gebracht wird, suchen die Altvögel das Weite. „Das ist völlig normal“, sagt Ute Reinhard, Koordinatorin des Weißstorchschutzes in Baden-Württemberg. „Hauptsache, die kommen wieder“, ergänzt Lothar Grau. Der Vorsitzende der NABU-Ortsgruppe Vaihingen hat die Nisthilfe gebaut, die seit dem Jahr 1995 in Horrheim Wohnraum für Störche bietet. Doch erst in diesem Jahr hat ein Paar die Wohnung in 14 Metern Höhe bezogen, erfolgreich gebrütet und die Jungvögel zu einer beträchtlichen Größe herangezogen. Fliegen können sie aber noch nicht. Darum schnappt sich Reinhard, mit dem Hubsteiger auf Horst-Niveau gebraucht, mit sicherem Griff den ersten der beiden Jungen. Wiegen, kurze Untersuchung, Beringen – fertig. Ihr Einsatz am Horst dauert nur wenige Minuten.

Junge vor Beringung

Beringung

Gewicht

„Zweidreiviertel und drei Kilogramm – das dürfte ein bisschen mehr sein“, sagt Reinhard. „Aber es ist völlig in Ordnung.“ Die beiden sind aus dem Gröbsten raus. Den Entwicklungsstand der Jungstörche macht die Expertin an der Entwicklung des Gefieders fest. „Der eine hat schon seine Vollbefiederung. Da ist er ungefähr sechs Wochen alt und sollte dreieinhalb Kilogramm wiegen.“ Beim zweiten wären drei Kilogramm angesagt. Doch Mama und Papa Storch sind selbst noch jung und haben keinerlei Erfahrung mit der Aufzucht. „Für das haben sie es gut gemacht“, sagt Reinhard anerkennend. „Und es ist ganz gut, dass es nur zwei Junge im Horst sind. Da gibt es weniger Probleme mit der Nahrungsversorgung.“ Zum Problem hätte allerdings der zweite Mast mit Nisthilfe auf dem Nachbargrundstück werden können. „Wenn dort ein zweites Storchenpaar seinen Nachwuchs aufziehen würde, wäre das kontraproduktiv“, urteilt Reinhard. Darum kommt spontan die Idee auf, den Mast abzubauen und ein paar Kilometer entfernt zu installieren, beispielsweise auf den Wiesen von Oberriexingen oder im Kirbachtal. Ob die Nisthilfe überhaupt nötig ist, um Störche anzulocken, da ist Reinhard skeptisch: „Von den 20 neuen Horsten in diesem Jahr, die ich betreue, sind mehr als die Hälfte von den Störchen selbst auf Kirchen und steilen Dächern gebaut. Und die sind fest.“

Die Expertin hat an diesem Tag drei Stationen. „Nur“, sagt sie. „Am Dienstag waren es sieben.“ Doch schon die erste Station in der Stuttgarter Wilhelma hätte beinahe den Zeitplan gesprengt. Denn da arbeitete sie von einer Drehleiter der Feuerwehr aus. Prompt musste das Fahrzeug zu einem Einsatz abrücken. Doch es hat noch geklappt mit dem Termin in Horrheim.

In trockenen Tüchern

Fertig

Abschied1

Ring

Wenige Minuten nach der Beringungsaktion schreitet Papa Storch (oder Mama) schon wieder die Reihen auf dem nächsten Acker ab, um nach Essbarem zu suchen. Und er (oder sie) erwartet den Tag, an dem die Jungen das selbst erledigen können.



Fotos: VKZ, Küppers(1), Jochen Scharpf






21. Juli 2014


Vaihinger Kreiszeitung:


Flugversuch

Der Horrheimer Storchennachwuchs wird flügge. Am Samstag hat Jochen Scharpf die Flugpremiere des ältesten Sprösslings, beobachtet von den Eltern, mit der Kamera festgehalten.







22. Juli 2014

Heute morgen war es in Horrheim soweit: Der ältere Jungstorch hat den Sprung aus dem Nest gewagt und seinen ersten Flug absolviert. Die ganze (Storchen-)Familie war dabei und hat staunend zugeschaut.


Vaihinger Kreiszeitung:

Horrheim (cmr). Die Geschichte um die Horrheimer Störche, über die die VKZ bereits mehrfach berichtete, hat ein neues Kapitel: Die beiden Jungvögel sind flügge, am Freitag sind sie erstmals geflogen, berichtet Lothar Grau, Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Vaihingen. In rund einem Monat wird sich der Nachwuchs auf einen weiten Weg machen. Schon Anfang vergangener Woche haben die beiden Vögel versucht, es ihren Eltern nachzumachen und sich mit ihren Flügeln durch die Luft zu bewegen. „Sie sind rund zwei Meter hochgeflogen und dann aber gleich wieder runter“, beschreibt Grau die ersten Flugversuche der jungen Horrheimer Störche. Am Freitag hat es dann endlich geklappt. „Die zwei großen Störche haben auf einem Mast auf ihre Jungen gewartet. Einer der Jungen ist dann losgeflogen und erst mal auf einem Dachfirst gelandet. Später ist dann auch der andere nachgekommen. Es war wie bei Menschen, die darauf warten, dass ihre Kinder laufen“, schwärmt Grau. Dem Horrheimer Jochen Scharpf gelang es am Samstag, das Schauspiel mit der Kamera festzuhalten. Seine Fotos zeigen einen der ersten Flüge der rund zwei Monate alten Vögel. „Der ältere Jungstorch hat den Sprung aus dem Nest gewagt“, schreibt er in seiner E-Mail an die VKZ begeistert und schickt sofort ein paar Bilder im Anhang mit. Eines davon war bereits in der gestrigen Ausgabe zu sehen. Dass sich die Jungvögel so gut entwickelt haben, freut Lothar Grau sehr: „Das ist schon eine richtige Sensation. Wir haben uns ja auch viel Mühe gemacht. Ich habe die Nisthilfe gebaut und die Masten mit Kranen aufgestellt.“

Flugversuch
Der jüngere Jungstorch bleibt zurück im Nest (links). Die Eltern
(im hinteren Nest) genießen die Flugvorführung ihres Sprösslings



Zwischenlandung
Der Jungstorch ist auf einer Scheune zwischengelandet. Ein Elternteil versucht, ihn zum Weiterfliegen anzuregen


Vogelschau
Horrheimer Vogelschau


Spektakulärer Anflug...
Spektakulärer Anflug...


 ...mit sicherer Punktlandung
...mit sicherer Punktlandung


Der Jungstorch genießt die neue Freiheit
Der Jungstorch genießt die neue Freiheit



Am Sonntag konnte Lothar Grau sogar beobachten, wie ein Jungvogel auf einer Wiese zugange war – offenbar auch der Suche nach Futter. Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) zählen dazu Frösche, Reptilien, Mäuse, Insekten und ihre Larven sowie Regenwürmer und Fische.

Wie Profis können sich die Horrheimer Jungvögel aber noch nicht durch die Luft bewegen. Wie bei einem Kleinkind heißt es auch hier: üben, üben, üben. „Sie müssen erst ihre Muskulatur aufbauen“, so Grau. Noch bis voraussichtlich Mitte/Ende August werden die Nachwuchsstörche in Horrheim zu sehen sein. Danach fliegen sie Richtung Spanien und Portugal. „Ich habe gelesen, dass die Jungvögel früher als die Altvögel losfliegen, da sie für die Strecke länger brauchen“, sagt Grau.

Die Vögel ziehen nach Süden, um auch in der kalten Jahreszeit Futter zu finden, informiert der Vorsitzende der Vaihinger NABU-Ortsgruppe weiter. „Wenn bei uns Schnee liegt, finden sie ja nichts“, so Grau. Ob sie Deutschland auch wegen der Kälte im Winter den Rücken kehren? Grau verneint. Angeblich sei das nicht so relevant. Bei der Reise in wärmere Regionen gehe es in erster Linie um die Futtersuche.

Ein rasches Wiedersehen mit den Jungvögeln wird es vorerst wohl nicht geben. „Die Jungen bleiben offenbar zwei bis drei Jahre weg, bis sie geschlechtsreif sind. Im Internet habe ich sogar gelesen, dass es vier Jahre dauert, bis sie geschlechtsreif sind. Man findet dazu unterschiedliche Angaben“, berichtet Grau. Mit einer Rückkehr der beiden erwachsenen Störche rechnet er Ende März bis Anfang April im nächsten Jahr.

Übrigens: Neulich wurde Lothar Grau aus Illingen angerufen, weil dort vier Störche gesichtet worden seien. „Wahrscheinlich handelt es sich dabei um die aus Tripsdrill“, mutmaßt er.