Abgerundetes Rechteck: März 2008
 

 

 

 

 

 

 

Offener Brief an OB Maisch, Vaihingen/Enz:

 

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Maisch,

 

wir wenden uns heute im Zusammenhang mit der geplanten Logistiker-Ansiedlung im Gewerbegebiet "Perfekter Standort" an Sie. Zwei Aspekte des Natur- und Umweltschutzes machen uns hierbei Sorge und wir wären Ihnen sehr dankbar dafür, wenn Sie unsere Anmerkungen und Anregungen in der weiteren Arbeit der Stadt Vaihingen berücksichtigen würden:

 

Erstens geht es uns um die Frage, ob und in welchem Umfang interessierten Bürgern und Verbänden umweltrelevante Daten zur Verfügung gestellt werden:

Wie wir aus der Stellungnahme der Stadt Vaihingen vom 4.2.2008 wissen, hat sich die Stadt Vaihingen geweigert, für betroffene Bürger Kopien entsprechender Unterlagen - es handelte sich wohl um ein Lärmgutachten - zur Verfügung zu stellen. Die Begründung lautete, dies sei zu viel Arbeit für die Verwaltung und daher nicht zumutbar.

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, wir als NABU-Gruppe Vaihingen wünschen nicht, dass sich ein derartiges Verhalten gegenüber Vertretern des NABU, anderer Organisationen oder anderen Personen gegenüber wiederholt. Das Umweltinformationsgesetz schreibt übrigens sogar vor, daß "die Informations-suchenden bei der Stellung und Präzisierung von Anträgen zu unterstützen sind". Die Gemeinde ist doch Dienstleister für ihre Bürger und sollte selbst im Falle einer kontroversen Diskussion froh darüber sein, wenn sich Bürger für ihre, für unsere Heimat engagieren. Wie sollen wir vom NABU, wie sollten aber auch die Betroffenen der Interessengemeinschaft Wohngebiet Altes Bahnhöfle denn qualifizierte Stellungnahmen abgeben, wenn sie die komplizierte Materie eines Lärmgutachtens nicht - in Kopie - in Ruhe daheim durchlesen können?

 

Zweitens geht es uns vor allem um die Frage der Zerschneidung, Versiegelung, Verlärmung und sonstigen Belastung von Natur und Umwelt durch zunehmenden (Straßen-)Verkehr.

 

Wir hätten uns - vermutlich wie Sie selbst auch - gewünscht, daß es gelänge, Betriebe mit Ausnutzung des Gleisanschlusses am "Perfekten Standort" anzusiedeln. Ein Logistiker aber führt zwangsläufig zu einem nennenswerten Zusatzverkehr auf der Straße. Wie wir der Presse entnahmen, gibt es nun sowohl in Kleinglattbach als auch in Enzweihingen Stimmen, die im Zusammenhang mit diesem und evtl. sogar weiteren Logistik-Betrieben verstärkt für den Bau von Ortsum-gehungen plädieren. Genau dies halten wir für fatal! Der Bundeswildwegeplan des NABU-Bundesverbandes, von renommierten Biologen und Ökologen erst 2007 der Öffentlichkeit vorgestellt, zeigt auf, daß wir in Deutschland ganz dringend mehr Grünbrücken (und nicht noch mehr neue Straßen) brauchen, um die massiven Zerschneidungen und Verinselungen insbesondere durch den Straßenverkehr aufzuheben (www.NABU.de/imperia/md/content/nabude/ naturschutz/wildwegeplan/4.pdf ).
Die baden-württembergische Landesregierung spricht inzwischen selbst von der Notwendigkeit eines Landeswildwegeplanes.

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, vom 19.-30. Mai 2008 wird in Bonn die weltweit größte Konferenz über Biologische Vielfalt stattfinden. Über 5.000 Politiker und Wissenschaftler aus allen Ländern der Welt werden erwartet - und schauen darauf, ob Deutschland seiner Gastgeberrolle gerecht wird. "Global denken, lokal handeln" heißt auch hier die Devise. Und das bedeutet für uns, daß die Stadt Vaihingen sich konsequent für eine Verringerung (!) des Straßenverkehrs, keinesfalls für die weitere Ansiedlung von Logistikbetrieben und gegen weitere Ortsumgehungen einsetzt. Das wäre zudem ein Beitrag zu dem von unserem Ministerpräsidenten Günther Oettinger geforderten Ziel der "Nettonull beim Flächenverbrauch" - und dies in dessen eigenen Wahlkreis! Der NABU Vaihingen wird Sie in allen entsprechenden Bemühungen gerne unterstützen!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

 

 

Zurück zur Übersicht